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KI im Mittelstand

Vom Piloten zum Betrieb: Was zwischen beiden fehlt

Der Pilot lief, alle waren zufrieden, und trotzdem arbeitet ein Jahr später niemand damit. Das hat selten mit der Qualität des Modells zu tun — es fehlen vier Dinge, die im Piloten niemand braucht.

4. September 20268 Min. LesezeitBenjamin Koch

01 · BefundDer Pilot beweist das Falsche.

Ein Pilot beantwortet die Frage: Kann das Modell die Aufgabe im Prinzip lösen? Diese Frage ist seit etwa zwei Jahren bei den meisten Textaufgaben mit Ja zu beantworten, und sie ist damit die uninteressanteste im ganzen Vorhaben. Der Betrieb beantwortet vier andere Fragen: Woher kommen die Daten ohne Zutun? Wer ist zuständig, wenn es nicht funktioniert? Was passiert mit den Fällen, die das Modell nicht kann? Und woran erkennen wir, dass es noch funktioniert?

Weil der Pilot diese Fragen nicht stellt, entsteht der typische Verlauf: vier Wochen Begeisterung, ein gutes Ergebnis in der Vorführung, dann drei Monate, in denen niemand Zeit hat, und schließlich die Einschätzung, KI sei „noch nicht reif". Reif war sie; angebunden war sie nicht.

Ein Pilot, der aus einem Ordner mit 40 Beispieldateien läuft, hat den schwierigsten Teil noch vor sich.

02 · Lücke 1Anbindung: Die Daten kommen nicht von allein.

Im Piloten liegen die Eingaben in einem Ordner, den jemand vorbereitet hat. Im Betrieb müssen sie aus dem Postfach, dem DMS, dem ERP oder dem Ticketsystem kommen — automatisch, vollständig und in der Reihenfolge, in der sie eintreffen. Und das Ergebnis muss dorthin zurück, wo weitergearbeitet wird, nicht in eine Datei.

Das ist der Punkt, an dem aus einem KI-Vorhaben ein Integrationsvorhaben wird, und er ist der Hauptgrund, warum Piloten liegen bleiben: Die Anbindung ist mehr Aufwand als der Pilot, weniger vorzeigbar und erfordert Zugriffsrechte, die jemand freigeben muss.

  • Woher kommt der Vorgang, ohne dass ihn jemand hochlädt?
  • Was passiert mit dem Ergebnis — welches Feld in welchem System wird beschrieben?
  • Was passiert, wenn dasselbe Dokument zweimal eintrifft?
  • Wer bekommt die Zugriffsrechte, und wer entzieht sie, wenn die Person wechselt?

Wer diese vier Fragen vor dem Piloten beantwortet, baut ihn anders — meist kleiner, dafür an der echten Quelle.

03 · Lücke 2Zuständigkeit: „Die IT" ist keine Antwort.

Im Piloten ist die Zuständigkeit klar, weil eine begeisterte Person alles macht. Im Betrieb braucht es drei getrennte Rollen, und sie müssen benannt sein — mit Namen, nicht mit Abteilung:

RolleVerantwortungTypische Besetzung
FachlichEntscheidet, was richtig ist: Regeln, Schwellen, FormulierungenTeamleitung des betroffenen Bereichs
TechnischHält den Ablauf am Laufen, reagiert auf StörungenIT oder Dienstleister mit Reaktionszeit
DatenschutzPrüft Datenarten, Aufbewahrung, AuskunftsfähigkeitDatenschutzbeauftragte Person
Ohne die erste Rolle veraltet die Lösung fachlich, ohne die zweite technisch, ohne die dritte wird sie im Ernstfall abgeschaltet.

Die fachliche Rolle wird am häufigsten vergessen und ist die wichtigste. Modelle werden nicht schlechter, aber Geschäftsregeln ändern sich: neue Lieferanten, geänderte Toleranzen, ein neues Produktsegment. Wenn niemand zuständig ist, diese Änderungen nachzuziehen, arbeitet der Ablauf nach einem halben Jahr nach Regeln von gestern — und die Nutzer merken es zuerst.

04 · Lücke 3Eskalation: Der Weg für alles, was nicht geht.

Jeder Ablauf mit einem Modell hat Fälle, die es nicht kann: unklare Eingaben, widersprüchliche Angaben, Sonderfälle. Im Piloten sagt man dazu „das schauen wir uns später an". Im Betrieb braucht es einen Weg, der so gut gebaut ist wie der Regelweg.

Drei Eigenschaften machen den Unterschied — sie entsprechen dem, was auch für regelbasierte Automatisierung gilt (siehe Der Regelfall):

  1. 01Erkennen statt raten. Das Modell muss sagen dürfen „nicht sicher". Ein Ablauf, der immer ein Ergebnis liefert, liefert manchmal ein falsches, und das ist teurer als eine offene Aufgabe.
  2. 02Sichtbare Warteschlange. Eine Liste mit Grund, Beleg und Frist — kein Postfach.
  3. 03Rückfluss. Was Menschen entscheiden, gehört zurück in die Regeln. Ohne diesen Rückfluss bleibt die Ausnahmequote konstant, und die Lösung lernt nichts.

05 · Lücke 4Messung: Drei Zahlen, monatlich, sonst nichts.

Die häufigste Messgröße in Piloten ist Zufriedenheit, und sie taugt nicht für den Betrieb: Sie ist in Woche zwei hoch und in Monat fünf nicht mehr erhebbar. Drei Zahlen genügen, wenn sie monatlich auf dem gleichen Blatt stehen:

  • Durchlaufquote: Anteil der Vorgänge ohne menschliches Eingreifen. Fällt sie, hat sich die Eingangslage geändert.
  • Fehlerquote in der Stichprobe: 20 automatisch verarbeitete Vorgänge je Monat nachprüfen. Nicht mehr, aber verlässlich.
  • Bearbeitungszeit je Vorgang: die Zahl, mit der sich der Nutzen belegen lässt — und die einzige, für die sich die Geschäftsführung interessiert.

Wer diese drei Zahlen vom ersten Betriebsmonat an erhebt, hat nach einem Quartal etwas, das in keinem Pilotbericht steht: eine Begründung für die Fortsetzung, die nicht auf Eindrücken beruht.

Wie wir Piloten von Anfang an betriebsfähig anlegen, steht unter KI-Beratung und Unternehmens-KI.

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